Vermessung Geodäsie Geomatik Geoinformatik ...die Zukunft mitgestalten
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Definition und Entwicklung

Vermessung und Geomatik bezeichnet ein modernes Berufsfeld, dessen Vielseitigkeit sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Dies hat damit zu tun, dass unsere technischen Errungenschaften meist nach ihrer äußeren Wirksamkeit beurteilt werden und weniger danach, was an Wissen dahintersteckt. Die folgenden Fragen mögen davon einen Eindruck geben:

- Wie ist es zu erklären, dass ein 50 km langer Tunnel mit einer Genauigkeit von 10 cm durchgeschlagen werden kann?
-Woher wissen wir, dass der Kilimandscharo eine Höhe von 5892m hat?
-Wie wird ein Flugzeug oder ein Schiff zum Ziel geführt?
-Woher wissen wir, ob eine Talsperre ein Risiko darstellt?
-Wie weist man nach, ob Bauprojekte planungsgetreu realisiert werden?
-Woher kommen die Informationen, mit denen die Erdoberfläche dezimetergenau dargestellt werden kann?
-Wie wird eine Hochgeschwindigkeitstrasse der Bahn geplant und realisiert?
-Nach welchen Gesichtspunkten werden Grund und Boden geordnet und bewertet?

Gotthard Tunnel, Talsperre, Brückenbau - nur drei der vielen interessanten Arbeitsgebiete der Vermessung

Gemeinsames Merkmal dieser Fragestellungen ist der Raumbezug, der auch den Rahmen des Berufsfeldes definiert. So zählt zum Aufgabengebiet der Vermessung und Geomatik alles, was der Erfassung, der Darstellung und der Bewertung raumbezogener Sachverhalte dient. Da in unserer Informationsgesellschaft der Bedarf an raumbezogenen Daten stetig wächst, handelt es sich hier um ein zukunftsorientiertes Berufsfeld.

Die klassische Vermessung wird mit dem Begriff Geodäsie bezeichnet. Ihre Entstehungsgeschichte lässt sich über mehrere Jahrtausende zurückverfolgen. Bereits die Ägypter, die Griechen und später die Römer bedienten sich vermessungstechnischer Methoden, um Grund und Boden nach Größe und Nutzung zu bestimmen und Bauwerken Form, Standsicherheit und Funktionalität zu sichern.

Die traditionelle Vermessung befasst sich vornehmlich mit der exakten Bestimmung von Größe und Form der Erde in ihrer Gesamtheit, der Erfassung und der Bereitstellung umfangreicher Daten und Informationen für Teilbereiche der Erdoberfläche sowie der systematischen Darstellung der gewonnenen Informationen und Messergebnisse in Form von Karten, Plänen, Koordinaten und Verzeichnissen.

Das Aufgabenspektrum der modernen Vermessung ist wesentlich weiter gefasst. Es reicht von Detailvermessungen mit Genauigkeiten im Submillimeterbereich über die Auswertung weltweiter Punktfelder bis hin zur Erstellung komplexer Informationssysteme. Durch die rasche Entwicklung auf den Gebieten der elektronischen Messtechnik, der Datenverarbeitung, der Kommunikations- und Informationstechnik hat sich das Berufsbild des Vermessungsingenieurs in den vergangenen Jahren stark verändert. Der Prozess der Datenerfassung - ehemals die zentrale Aufgabe im Vermessungswesen - erfolgt inzwischen weitgehend automatisiert und verlangt heute wesentlich weniger Arbeitskraft als früher. Andererseits hat gerade die Automatisierung in Verbindung mit moderner Kommunikationstechnik zu vollkommen neuen Ansätzen der Informationsverarbeitung mit hohem Entwicklungspotential geführt. Das Arbeitsgebiet des Vermessungsingenieurs verlagert sich daher mehr und mehr in den Bereich der Systemplanung und Entwicklung, der Qualitätssicherung sowie der Analyse, Wiedergabe und Interpretation von Messdaten. Da diese Tätigkeiten einen starken Bezug zur Informationstechnologie (IT) aufweisen, müssen heutige Berufsanfänger neben den reinen vermessungsspezifischen Fähigkeiten auch über eine IT-Qualifikation verfügen. Um den neuen Inhalten auch nominell gerecht zu werden, wurde auf internationaler Ebene der Begriff Geomatik eingeführt. Es handelt sich hierbei um eine Synthese aus den Begriffen Geodäsie und Informatik.

© 2002 Arbeitskreis Geomatik Baden-Württemberg